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Inklusionskabarett „Keine Hände, keine Langeweile“

Der HESSENCAMPUS Waldeck-Frankenberg hatte zum Auftakt der Themenreihe Inklusion den Kabarettisten, Pfarrer und Olympiasieger im Tischtennis zu einem kabarettistischen Vortragsabend eingeladen.

Ein Einbeiniger geht in ein Schuhgeschäft und möchte einen Schuh kaufen, eine Einarmige leitet einen Aerobic-Kurs und eine schwerhörige Frau bekommt den gewünschten Job nicht, weil sie überqualifiziert ist – mit diesen Improvisationsszenarien der Theater-AG der Edertalschule Frankenberg wurde der Kabarettabend des HESSENCAMPUS Waldeck-Frankenberg und damit die Themenreihe „Inklusion“ eröffnet. Die Jugendlichen sensibilisierten das Publikum durch ihre kurzen Darstellungen, mit welchen Problemstellungen Menschen mit Behinderungen täglich konfrontiert sind und wie die Gesellschaft sie unterstützt oder die Beeinträchtigungen sogar noch verstärkt und Teilhabe erschwert.

Dann betrat Rainer Schmidt die Bühne: Ein Bein 25 cm kürzer als das andere und keine Unterarme. Zwei Stunden berichtete er von seinen Erfahrungen als Kind beim Spielen mit anderen, von seiner Schulzeit auf der damals noch genannten Sonderschule, von seinem Studium der Theologie, seiner beruflichen Tätigkeit als Pfarrer und seinen sportlichen Erfolgen als Olympiasieger beim Tischtennis. Mal sehr humorvoll und mal sehr zum Nachdenken anregend. Wie begrüßt man einen Mann ohne Unterarme und Hände? Wie kann dieser sich morgens anziehen? Wie schreibt er? Rainer Schmidt holte allen ins Bewusstsein, dass alle Menschen Einschränkungen haben. Aber ist man, nur weil man nicht stricken, Klarinette spielen oder Japanisch reden kann, automatisch behindert? Nein. Jeder Mensch hat Stärken und jeder Mensch hat Schwächen. Es geht darum, jeder entsprechend seiner Fähigkeiten zu fördern, die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien wahrzunehmen und die Person als Experten für sein Leben anzusehen.

Rainer Schmidt machte an diesem Abend vor allem eins deutlich: Im Vergleich zu seinen Freunden in der Kindheit, den Kommilitonen im Studium und vielen anderen Wegbegleitern, habe er natürlich nicht alles mitmachen können, aber er sei immer dabei gewesen und habe seine Freude am Lebens niemals von der Behinderung abhängig gemacht.

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