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Worauf wir uns verlassen können

Lassen wir alle Unverlässlichkeiten um Corona mal außen vor, finden wir uns mitten in einer Inflationskrise wieder, wir haben die höchste Arbeitslosenquote seit Jahren, es gibt Krieg mitten in Europa inklusive Gas- und Weizenkrise und ganz obendrein wird der Klimawandel jetzt auch in Deutschland immer spürbarer. 

Unser Sicherheitsbedürfnis ist durch alles, was sonst so selbstverständlich und verlässlich war - Frieden, Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen, eine warme Wohnung, fließendes Wasser, um nur einige Beispiele zu nennen - gewaltig aus dem Gleichgewicht geraten. Viele von uns haben das Gefühl, sich auf nichts mehr verlassen zu können. 

Wenn wir von Verlässlichkeit sprechen, meinen wir Pünktlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit, wir wünschen uns, dass Personen ihre Zusagen halten, dass wir uns auf sie verlassen können. Daher hat die Zuverlässigkeit des einen direkte Auswirkungen auf das Leben des anderen und wohl genau deswegen ist diese Charaktereigenschaft für uns so wertvoll.

 

Wenn wir uns die übergreifenden Themen und zuvor genannten Krisen nochmal anschauen, wird hingegen deutlich, dass Zuverlässigkeit keineswegs ein Wert ist, der sich allein auf andere Menschen bezieht. Zuverlässigkeit ist ein Faktum, das wir bei vielen unserer Entscheidungen durch eine mehr oder minder bewusste und ausführliche Risikoanalyse mit einplanen: Wir wägen ab, wie zuverlässig die Empfehlung ist, das heimische Heizsystem auf Gas umzustellen. Wir überlegen, ob es klug sein könnte, in diesem Jahr für den Sommerurlaub nicht in den Flieger Richtung Süden zu steigen, sondern stattdessen die Sächsische Schweiz zu erkunden. Und wir fragen uns vielleicht auch, ob wir den Zug oder das Rad statt des Autos nutzen sollten, um von A nach B zu kommen.

Am Ende ist es wie immer: Mit Entscheidungen kann man Glück oder Pech haben. Man weiß häufig erst später, ob man richtig lag, weil alles im Leben einem stetigen Wandel unterliegt. Peter Rudl würde sagen: "Wenn man sich im Leben auf etwas verlassen kann, dann auf die Unbeständigkeit." 

 

Gerade in den letzten Monaten ist deutlich geworden, dass Unbeständigkeiten und Krisen zwar jeden Menschen in irgendeiner Form betreffen, der Umgang damit aber doch sehr unterschiedlich sein kann: Manche Menschen trauern vermeintlich falschen Entscheidungen ewig nach, anderen machen die Prognosen für den kommenden Winter jetzt schon stark zu schaffen. Was den einen umhaut, darüber lächelt ein anderer noch. Das hat vor allem was mit unserer Resilienz zu tun, der psychischen Widerstandskraft, einer Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne größere Beeinträchtigungen zu überstehen. Und diese ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Sie ist nicht angeboren, sondern vor allem eine Frage der Haltung und gerade in persönlichen Krisen, aber auch dann, wenn man das existenzielle Sicherheitsbedürfnis bedroht sieht, kann es sich lohnen, an der eigenen Resilienz zu arbeiten, um Herausforderungen zu meistern. 

Wir beschreiben Ihnen hier die Facetten der Resilienz und geben erste Tipps, wie Sie Ihre eigene Widerstandsfähigkeit stärken können:

  1. Eigenverantwortung: Es geht in erster Linie darum, die Verantwortung für das eigene Leben anzunehmen und sich um das zu kümmern, was wir brauchen, statt auf andere zu verweisen oder darauf zu warten, dass jemand anders (z.B. die Politik) die eigenen Probleme löst. 
  2. Akzeptanz: Gegen Probleme ankämpfen kostet viel Kraft, sie zu akzeptieren und eine Bestandsaufnahme zu machen, bringt uns viel schneller in den Lösungsmodus. 
  3. Optimismus: Lenken Sie den Fokus bewusst darauf, was Sie haben, was Sie schätzen, was gut ist und was da ist. Das ändert die Gedankenschleifen in Ihrem Kopf und kann das Wohlbefinden stark verbessern. 
  4. Verlassen der Opferrolle: Ja, für die vielen Krisen, die wir hier angesprochen haben, können Sie nichts und manch einer mag sich dabei als Opfer sehen. Widerstandsfähigkeit und eine Identifikation mit der Opferrolle lässt sich allerdings nicht besonders gut miteinander vereinen. Daher befreien Sie sich aus der passiven Haltung und kommen Sie in Aktion, sorgen Sie für sich. 
  5. Netzwerkorientierung: Tauschen Sie sich mit anderen Menschen aus, teilen Sie Ihre Ängste und Sorgen, unterstützen Sie sich gegenseitig. 
  6. Selbstwirksamkeit: Wenn wir aktiv werden, haben wir das Gefühl, etwas zu tun statt nur abzuwarten und sich darauf zu verlassen, dass andere Menschen Dinge für uns regeln. 
  7. Lösungsorientierung: Wir können natürlich verharren in dem, was alles nicht funktioniert. Wir können aber auch anfangen, kreativ zu denken und nach Lösungen zu suchen. Seien Sie dabei ruhig etwas euphorisch und übertreiben Sie. Manchmal lässt sich gerade aus Übertreibungen etwas Realistisches ableiten. 

Natürlich löst Resilienz keine finanziellen Probleme und auch die Wohnung wird nicht wärmer, wenn sie resilienter sind. Aber Resilienz erweitert unseren Horizont und lässt uns kreativ werden und in Lösungen denken, auf die wir im Krisenmodus vielleicht nicht gekommen wären. Außerdem kommen wir dadurch wieder mit anderen Menschen in den Dialog, statt alles in uns hinein zu fressen. Und genau das kann die größte Chance sein: Probleme gemeinsam angehen und daran wachsen! 

 

In allen beruflichen Fragen begleiten wir Sie gerne in diesem Prozess und sind auch weiter Ihr verlässlicher Partner!

Mit herzlichen Grüßen für einen möglichst sorgenfreien September!

Ihr Team vom HESSENCAMPUS Waldeck-Frankenberg