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Vom Versprechen der Gleichheit

Dieser Artikel ist inspiriert von einem geplanten Ausstellungsformat des Historischen Museums in Frankfurt mit selbigem Titel. In der Ausstellung sollen die vielen unterschiedlichen Blickwinkel auf demokratische Prozesse und die gelebte Demokratie herausgestellt werden.

Einer der wichtigsten Eckpfeiler einer Demokratie ist der sogenannte Gleichheitsgrundsatz. So heißt es in Artikel 3 des Grundgesetzes:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. 

 

Und dennoch gehören Diskriminierungserfahrungen für viele Menschen zum Alltag. Herkunft, Hautfarbe, Sprache, Religion aber auch Geschlecht, Alter oder Krankenversicherungsstatus und viele weitere Merkmale mehr führen schnell zu Kategorisierungen, die wiederum eng mit Chancen und Möglichkeiten schulischer, beruflicher, gesellschaftlicher, politischer, kultureller und sozialer Teilhabe und Beteiligung und gar gesundheitlicher Versorgung verknüpft sind. 

Hierzu haben wir intern ein kleines Brainstorming durchgeführt und eigene Diskriminierungserfahrungen, versagte Chancen demokratischer Beteiligung und Möglichkeiten gesammelt, verbunden mit der Fragestellung, wie man dem Gleichheitsgrundsatz etwas gerechter werden könnte. Eine Art Planspiel, dass wir gerne mit Ihnen teilen. 

 

Wahlberechtigung und Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen in politischen Entscheidungen 

Menschen unter 18 Jahren sind in Deutschland nicht wahlberechtigt. Insofern können über 10,7 Millionen Menschen nicht direkt Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen und sind auf Verbände angewiesen, die ihre Interessen vertreten. 

Was wäre, wenn Familien mit Kindern bei Wahlen so viele Stimmen bekommen, wie sie Kinder unter 18 Jahren haben, damit deren Bedarfe und Interessen in politischen Entscheidungsprozessen mehr Berücksichtigung finden?

 

Krankenversicherungsstatus 

Wer schon einmal einen Facharzttermin benötigte, dem wird die freundliche Frage nach dem Krankenversicherungsstatus am Telefon ebenso vertraut sein, wie das Gefühl, dass der vereinbarte Termin noch ewig hin ist. Gesetzlich Versicherte haben daher im Vergleich zu privat Versicherten häufig das Nachsehen und fühlen sich in Bezug auf die medizinische Versorgung ungleich behandelt. 

Was wäre, wenn alle Menschen unabhängig von ihrem Versicherungsstatus die gleiche medizinische Versorgung und ebenso gleiche Zugänge zu präventiven Gesundheitsangeboten erhielten? 

 

Name/ Herkunft /Religion 

Haben Sie aufgrund Ihres Namens schon mal das Gefühl gehabt, dass Ihnen Chancen verwehrt wurden?

Inzwischen gibt es ganze Studien dazu, welchen Einfluss der Name zum Beispiel auf berufliche Chancen hat. Wer Justin oder Chantal heißt, darf gegen Stigmata sozialer Milieuzuschreibungen kämpfen, Ali und Ceynab gegen Vorurteile zu Herkunft und Religion. 

Was wäre, wenn Vorstellungsgespräche wie Blind-Dates laufen würden? Vorab werden die formalen Voraussetzungen geprüft und im Auswahlgremium sitzen nur Menschen, die vorab weder Foto gesehen haben noch den Namen nicht kennen?

 

Geschlecht 

Was wäre, wenn statt einer Frauenquote auch eine Männerquote eingeführt würde? Oder verstößt nicht eigentlich beides irgendwie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung? Aber eine Gleichbehandlung in Sachen "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" wäre mehr als gerecht. 

 

Wir haben noch viel mehr Beispiele gefunden und uns darüber ausgetauscht. Schulformen, Inklusion...

Aber eine Frage ist offen geblieben: Was wäre eigentlich, wenn tatsächlich alle Menschen gleich wären?

 

Kommen Sie gut durch den August!