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Wie Bürgerbeteiligung gelingt

Wenn ich das Wort Beteiligung höre, fällt mir sofort der Partizipationsauftrag in pädagogischen Settings ein: Im Kindergarten werden Kinder und Eltern einbezogen, wenn es darum geht, den Caterer für das Mittagessen auszuwählen oder Spielarrangements zu gestalten. In der Schule werden über die Schüler- und Elternvertretung Möglichkeiten der Mitbestimmung geschaffen.

Aber inzwischen setzen auch immer mehr Vereine, Verbände und Kommunen auf demokratische Beteiligungsverfahren ihrer Mitglieder oder Bürgerinnen und Bürger. Sei es zu Fragen der Angebotsstruktur, der Stadtentwicklung und Umsetzung nachhaltiger Ideen oder auch zur Verbesserung der Mobilität und Infrastruktur. Dabei geht es nicht nur um formelle Beteiligung wie Wahlen oder die aktive Mitwirkung in Gremien in Form von Besetzung funktionärer Posten. Vielmehr geht es um die Einbeziehung der Menschen in Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse, in denen gemeinsam und aktiv nach Lösungen für aktuelle Probleme gesucht wird. Und davon gibt es viele: Windkraftanlagen ja oder nein? Die Erschließung neuer Baugebiete. Anschaffung eines Bürgerbusses für den Ort. Die Erneuerung des Feuerwehrgerätehauses. Reformprozesse der Kirche. Die Anschaffung von neuen Spielgeräten für den Kinderspielplatz. Die nächsten Projekte des Dorfverschönerungsvereins... Die Liste der zu diskutierenden Fragestellungen ist unendlich. Denn nahezu alle Themen betreffen die Bürgerinnen und Bürger eines Ortes unmittelbar und haben somit direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Menschen vor Ort. 

 

Beteiligungsformen sind auf unterschiedlichen Ebenen möglich: Die zentrale Voraussetzung ist zunächst das Erkunden von Interessen und Bedürfnissen der zu beteiligenden Menschen. Dies kann zum Beispiel durch moderierte Gruppendiskussionen, Expertengespräche oder auch Befragungen erfolgen.

Im Verlauf des Prozesses ist eine transparente Informationspolitik durch regelmäßige Veröffentlichung der Entwicklungsfortschritte auf Webseiten, in der Zeitung oder den vor allem in kleineren Kommunen bekannten "Käseblättchen" von immenser Bedeutung. Es macht außerdem viel Sinn mit den Menschen ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Tage der offenen Tür oder Bürgerstammtische, aber auch Bürgersprechstunden und kostenlose Beratungsstellen bieten sich dafür besonders an. Die zuvor genannten Formen wirken darauf hin, dass sowohl Entscheidungsträger als auch Bürgerinnen und Bürger sich informiert und verstanden fühlen. 

Ist das Problem oder die Fragestellung bekannt, gilt es, die Kreativität, die Ideen und die vielleicht unterschiedlichen Ansichten und Perspektiven zu bündeln und einen Konsens zu finden und die nächsten Schritte festzulegen. Dies kann durch moderierte Gruppendiskussionen erfolgen. Methoden wie Open-Space oder Zukunftswerkstatt kommen dann zum Tragen. Bei konfliktbehafteten Fragestellungen können auch Runde Tische oder Mediationen hilfreich sein. 

 

Letztlich können diese Form der informellen, demokratischen Beteiligungsprozesse die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger erhöhen, die Identifikation mit dem Verband, Verein oder der Kommune stärken und so bedarfsgerecht und verhältnismäßig politisch agiert werden. 

 

Zusammen mit der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck und der Kreisvolkshochschule bietet der HESSENCAMPUS Waldeck-Frankenberg in diesem Jahr eine Weiterbildung für Personen an, die daran interessiert sind, Beteiligungsprozesse zu moderieren und damit die Mitwirkung und Partizipation von Mitgliedern und Bürgerinnen und Bürgern zu stärken. Die Teilnahme an der Weiterbildung ist kostenlos, da die Ausbildung aus Mitteln des Landes Hessen und der Evangelischen Landeskirche bezahlt werden. Weitere Informationen zur Weiterbildung finden Sie hier. Anmeldeschluss ist der 15. Mai 2022.