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Wie Sie online überzeugen und begeistern

Seit mehr als einem Jahr werden die meisten Veranstaltungen, Besprechungen und Zusammenkünfte in den digitalen Raum verlegt. Während die ein oder der andere anfangs noch dachte, dass sich das auch wieder ändern wird, ist inzwischen klar: Vieles davon bleibt. Wir haben uns längst daran gewöhnt und schätzen die Vorteile: Keine Reisezeiten, mehr Meetings am Tag möglich, Vereinbarungen können bequem von Zuhause getroffen werden, Teilnahme von überall möglich. Selbst Sport und private Treffen finden im digitalen Raum eine Alternative, die sicher gewöhnungsbedürftig, aber für die aktuelle Situation sehr zweckmäßig sein kann.  

Doch sicherlich haben Sie in all Ihren Online-Meetings auch bereits die Erfahrung gemacht, dass nicht jedes Online-Meeting von Erfolg gekrönt ist. Um online überzeugen zu können, bedarf es nicht nur einiger technischer Voraussetzungen, sondern vor allem Moderationsqualitäten für den digitalen Raum. 

 

Der HESSENCAMPUS Waldeck-Frankenberg hat am 29. April 2021 ein Online-Coaching für Interessierte veranstaltet. Zusammen mit den "Sprechperlen" Stefanie Windhausen (Journalistin und Trainerin für bewusste Sprache) und Clemens Löcke (Sportwissenschaftler und Moderator) haben die Teilnehmenden Gelingensbedingungen für einen guten Online-Auftritt erarbeitet und auch erprobt. 

Wenn auch Sie in der Funktion sind, Online-Meetings zu moderieren, dann haben wir hier die wichtigsten Tipps für Sie: 

 

1. Technische Voraussetzungen 

Bei der Auswahl eines geeigneten Online-Tools sollten Sie vor allem darauf achten, dass auch Teilnehmende, die das Tool nicht kennen, einfach einsteigen können und es z.B. nicht erforderlich ist, eine App dafür zu installieren, um alle Funktionen nutzen zu können. Der Download von Apps ist in vielen Einrichtungen nur den Administratoren vorbehalten. Das schränkt die Beteiligungsmöglichkeit von Ihren Teilnehmer*innen ein. 

 

2. Sicher im Tool sein 

Als Moderator sollten Sie sich gut mit der Software, den Möglichkeiten und Grenzen auskennen. Im Zweifel laden Sie vorab mal Kolleg*innen oder Bekannte zu einem Probelauf ein; fragen Sie ab, wie der andere die Oberflächenstruktur wahrnimmt und welche Möglichkeiten die Teilnehmer*innen haben. 

 

3. Gutes Onboarding

Das, was wir bei Veranstaltungen und Meetings so sehr schätzen, ist ja eigentlich die Kommunikation am Rande: Beim Kaffee, beim Ankommen und Verlassen, in den Pausen... Zu einem guten Ankommen der Teilnehmenden gehört daher auch, dass Sie als Moderator den Raum öffnen, bevor es losgeht. So kann sich jede(r) Teilnehmer*in mit den Gegebenheiten vertraut machen, nochmal einen Technikcheck durchführen und sich "umschauen", wer ebenfalls an der Veranstaltung teilnimmt. 

Begrüßen Sie die Teilnehmenden einzeln mit Namen und fragen Sie ab, ob Sie gesehen und gehört werden - das verbindet! Dazu empfiehlt es sich, einen Warteraum einzurichten. So haben Sie den Überblick, wer der Veranstaltung beitritt. 

Wenn Sie das Meeting eröffnen, erklären Sie allen Teilnehmenden nochmal die wichtigsten Funktionen und die Spielregeln: Mikro an oder aus, Kamera an oder aus, Duzen oder Siezen, Pausenzeiten bekannt geben bei Veranstaltungen, die länger als 60 Minuten dauern... und was immer Ihnen noch wichtig ist, vor allem aber auch den geplanten Ablauf des Meetings. 

 

4. Gutes Checking-Out 

Planen Sie genügend Zeit ein für die Verabschiedung und rufen Sie sich nochmal in Erinnerung, dass in der realen Welt nun noch ein kleiner Smalltalk zwischen einzelnen Teilnehmenden folgen würde. Das schafft auch im Nachgang noch eine angenehme Atmosphäre. 

 

Und nun, unabhängig davon, ob Sie Teilnehmer*in oder Moderator*in einer Online-Veranstaltung sind, hier Ihre persönlichen Tipps, um Menschen auch online zu begeistern: 

 

1. Kameraeinstellung

Die Kamera Ihres Gerätes sollte sich auf Augenhöhe befinden. Dazu benötigen Sie eventuell einen Laptophalter oder ähnliches. Ein Schuhkarton tuts anfangs auch!

 

2. Beleuchtung

Achten Sie auf eine gute Beleuchtung, am besten Tageslicht, dass seitlich von vorne kommt. Licht im Hintergrund ist oft problematisch, da es blendet. 

 

3. Hintergrund

Entscheiden Sie sich für einen neutralen Hintergrund und machen Sie sich nochmal klar, dass alles, was sich in Ihrem Hintergrund befindet, mit gesendet wird. 

 

4. Erfolgsfaktor Kleidung

Schwarze, weiße oder pastellfarbene Kleidung, kleine Streifen oder Karos eignen sich nicht besonders gut. Überzeugend sind solide Farben, die auch zum Umfeld Ihres Sendeortes passen. Haben Sie zum Beispiel einen eher unruhigen Hintergrund mit vielen Büchern, ist ein Muster in der Kleidung ungünstig. Verzichten Sie außerdem auf Rollkragenpullover, Schals oder auch zu tiefe Ausschnitte - die Kamera verstärkt dies zusätzlich und Sie wirken entweder sehr zugeschnürt oder auch sehr freizügig. 

 

5. Ihr Kommunikationspartner ist die Kamera!

Der fünfte und letzte Tipp ist wohl auch der Tipp, der am meisten Übung erfordert: Blicken Sie beim Sprechen in die Kamera und nicht auf den Bildschirm! Ihr gegenüber fühlt sich nur dann von Ihnen angesprochen. Andernfalls wirkt es, als ob Sie nach unten in Ihre Tastatur reden! Rufen Sie sich ins Bewusstsein, dass nur eine Kommunikation auf Augenhöhe eine Verbindung zu den Teilnehmer*innen schafft!

 

Und nun viel Freude beim Ausprobieren und viel Erfolg bei Ihren nächsten Online-Meetings!